Archiv für den Monat: November 2009

Politik setzt sich für Sonntagsöffnung von Bibliotheken ein

Der nachfolgende Antrag wurde auf der Landesversammlung der Jungen Union Bayern am 15.11.2009 in Weiden verabschiedet.
Nun ist es an den Verbänden den Ball aufzunehmen und die Willensbildung im Parlament zu unterstützen.

Öffnungszeiten Bibliotheken

Die Junge Union Bayern setzt sich dafür ein, dass öffentliche Bibliotheken auch an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen. Die CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag sowie die Bayerische Staatsregierung werden ersucht, darauf hinzuwirken, dass öffentliche Bibliotheken in die Liste der Ausnahmetatbestände des Arbeitszeitgesetzes aufgenommen werden.

Begründung:
Wir können sonntags ins Theater, Museum oder die Oper gehen, einen Kinofilm anschauen oder ein Konzert besuchen. All das ist selbstverständlich. Eine öffentliche Bibliothek besuchen jedoch können wir nicht. Denn anders als Theatervorstellungen oder Musikaufführungen werden öffentliche Bibliotheken in Deutschland bislang nicht als Kultureinrichtungen sondern vielmehr wie Gewerbebetriebe behandelt, die unter dem Sonn und Feiertagsschutz stehen. Gipfel der Absurdität: Während Autowaschanlagen in Bayern an Sonntagen betrieben werden dürfen, herrscht für die allermeisten Bibliotheken ein striktes Öffnungsverbot.

CSU und JU haben sich immer zum Schutz des Sonntages bekannt. Gleichzeitig käme aber wohl niemand auf die Idee, Museumsbesuche oder Opernaufführungen am Sonntag zu verbieten. Aus der gleichen Logik heraus müssen auch öffentliche Bibliotheken an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen – wenn sie dies denn wollen und leisten können. Bislang erlaubt das Arbeitszeitgesetz nur den Beschäftigten in „wissenschaftlichen Präsenzbibliotheken“, auch an Sonn- und Feiertagen tätig zu werden. Diese Regelung muss auf alle Bibliotheken ausgedehnt werden. Der Bedarf für Sonntagsöffnungen ist laut dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) vorhanden.
Zu den Befürwortern gehört neben Bundestagspräsident Norbert Lammert (CSU) auch die dbv-Vorsitzende Gabriele Beger. Sie sagt: „Bibliotheken sind unverzichtbare Kultur- und Bildungseinrichtungen. Das verpflichtet uns, unsere Leistungsfähigkeit neu zu überdenken und zu evaluieren. Und es verlangt von uns, unsere Angebote dem veränderten Umfeld der jeweiligen Zielgruppen anzupassen.“ Als Direktorin der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg erfährt Beger immer wieder, dass die dort mögliche Sonntagsöffnung den Bedürfnissen der Nutzer entspricht. „Wir verzeichnen hier am Sonntag über 2.000 Besucher –
und zwar neben den Studierenden auch zahlreiche Stadtleser. Am Wochenende kommen verstärkt berufstätige Mütter oder Väter mit ihren Kindern. Das sind ja auch die einzigen Zeiten, wo sie gemeinsam eine Bibliothek besuchen können.“ Berger zufolge müssen Bibliotheken auch dem sich ändernden Schulalltag Rechnung tragen: „Wir haben es bald mit der Ganztagsschule zu tun. Darum müssen wir unsere Öffnungszeiten so gestalten, dass Schüler auch außerhalb der Schulzeiten eine kommunale Bibliothek besuchen können.“ Um die Grundlage dafür zu schaffen, dass Bibliotheken auch sonntags öffnen dürfen, bedarf es lediglich einer kleinen kosmetischen Korrektur des Arbeitszeitgesetzes. Doch wäre dies ein großes Ausrufezeichen, dass wir es mit dem „Bildungsland Deutschland“ ernst meinen.